16 March 2011

Die klassische Variante - Courtnall: Making Master Guitars

For the english speaking readers: You will find a translation here.


Lassen wir es mal klassisch angehen. Roy Courtnalls Buch "Making Master Guitars" ist zwar nicht ein billiges, aber fast schon bibliophiles Werk. Es enthält Darstellung von Gitarren der klassischen Baumeister: 
  • Antonio de Torres
  • Santiago Hernandez, 
  • Hermann Hauser, 
  • Hernandez y Aguado, 
  • Ignatio Fleta, 
  • Robert Bouchet
  • Daniel Friederich und 
  • Jose Romanillos. 

Jede Gitarre wird mit ihrer Enstehungsgeschichte und einer ausführlichen textlichen Beschreibung der verschiedenen Konstruktionsteile dargestellt. Unterstützt von Detailphotos liegen dem Buch exakt vermessene Pläne der Plantilla, der Beleistung, des Halses und der Korpusverbindungen bei. Weiterhin wird auch die Rosette, die Brücke und der Kopf mit Zeichnungen dargestellt.

Man kann somit die Abmessungen und Details der beschriebenen Gitarren z.T. direkt für das eigene Modell übernehmen. Das einzige, was in diesem Buch wie üblich fehlt, sind die Klangbeispiele der Gitarren, aber die kann man sich z.B. von der CD „What about this, Mr. Tarrega?“ von Wulfin Lieske holen. 

Wer sich also die Auswahl leicht machen will und schon immer eine Hauser I besitzen wollte, findet in diesem Buch zumindest die technischen Spezifikationen seiner Traumgitarre.

Ob die erste selbstgebaute Gitarre so wie das Original klingen wird, darf bezweifelt werden, aber ein Anfang wäre gemacht, und man hat ja noch viele Versuche frei.

Im zweiten Teil des Werkes werden die traditionellen Holzbearbeitungswerkzeuge beschrieben, die für den Bau notwendig sind. Selbstverständlich wird auch auf die speziellen Werkzeuge für den Gitarrenbau eingegangen. Die Beschreibung der verschiedenen Hölzer ist knapp gehalten, aber ausreichend, da man weitere Hinweise beim Fachhandel erhält.

Die vom Autor vorgeschlagene spanische Methode der offenen Bauweise verlangt eine Solera.Diese Grundplatte erleichtert den Aufbau und erzwingt u.a. die leichte Deckenwölbung.Im Detail wird die Konstruktion der Solera beschrieben, die in Grenzen auch für andere Korpusdimensionen genutzt werden kann. (eine leichter zu konstruierende "Solera" eines amerikanischen Gitarrenbauers findet sich im großen Katalog von Luthiers Mercantile.)

Im folgenden Arbeitsschritt wird der Bau des Halses und Kopfes mit der spanischen Hals-Korpusverbindung beschrieben. Die Arbeitsschritte werden logisch und sehr nüchtern beschrieben. Die sprachlich sehr kondensierte Form wird durch eine Vielzahl von Detailaufnahmen und – noch wichtiger – durch technische Zeichnungen mit den notwendigen Maßangaben wirkungsvoll ergänzt.

Bei der Konstruktion der Rosette werden zwei Varianten vorgeführt. Die Vorbilder kann man den entsprechenden Beschreibungen der alten Gitarren aus dem ersten Teil übernehmen. Wem diese Arbeit als Anfänger zu mühsam ist, kann auf kommerzielle Hersteller (Karin Rost) zurückgreifen, die für vernünftige Preise Anlehnungen an klassische Rosetten auch in kleinen Mengen verkaufen.

Es folgen die Konstruktion der Decke und des Bodens mit den notwendigen Beleistungen. Die Texte sind dabei weniger pädagogisch motiviert als der Versuch einer systematischen technischen Beschreibung. Dies macht den Text oft etwas schwieriger zu lesen, da er eine Fülle von Details enthält. Dies bedeutet, daß man sich vor jedem Arbeitsschritt klugerweise den Text noch einmal gründlich zu Gemüte führen sollte.

Für die Ausführungder Zargen und deren Verleimung auf der Decke werden verschiedene Methoden ausführlich vorgestellt und durch Bilder arbeitender Gitarrenbaumeister (hier Bouchet) konkretisiert.
Die Befestigung der Randeinlagen wird ausführlich beschrieben, obwohl mit den heute zur Verfügung stehenden kräftigen Klebebändern auch andere Lösungswege zur Verfügung stehen. Dem Experiment sind hier keine Grenzen gesetzt.

Auch in den folgenden Kapiteln zu den Themenbereichen Griffbrett, Steg und der endgültigen Form des Halses sind alle notwendigen Informationen enthalten, um den Selbstbauer zum Erfolg zu führen. Im letzten Kapitel werden knapp die Möglichkeiten der modernen Lackierung und der traditionellen, aber zeitaufwendigen Schellackpolitur beschrieben.

Roy Courtnall, der auch ein vergleichbares Buch über den Geigenbau geschrieben hat, bietet auch für den „Nur-Spieler“ einen lesenswerten Überblick, wie eine klassische Gitarre entsteht, und beschreibt beispielhaft wichtige Meilensteine bei der Bauentwicklung der Gitarre.

Ich habe nach diesem Buch drei Gitarren gebaut. Die Pläne und Details dieses Buches waren ausschlaggebend. In andere Büchern wurden Tricks und Tools beschrieben, aber hier fand ich alle notwendigen Informationen, die ich für den Bau brauchte. So besitze ich mittlerweile auch meine eigene Hauser I.