08 November 2016

Palm Single und Palm Piko Single Keyer

Singles unter Palmen
Oder: Mamma, man hat mir meine Taste geschrumpft.


Wer würde nicht gerne in der Südsee unter Palmen liegen, ein kleiner Portabel-TRX auf dem Tisch und sich locker mit der Taste mit der ganzen Welt unterhalten?



Aber bevor es soweit ist, muss man reisen, einen QRP-TRX und eine Antenne besitzen. Aber die wunderschöne kiloschwere Messing-Morsetaste muss zu Hause bleiben! Ersatz ist angesagt.

Morsen, Tasten und der Weg zum ersten QSO ist ein Thema, das schon Generationen von Funkamateuren geprägt hat.

(Die älteren OMs, die schon seit Jahren klopfen oder mit der Squeezetechnik das Tempo 30 Wpm hinter sich gelassen haben, dürfen sich zurücklehnen. Sie kennen schon alles. Ich habe den angehenden CW-Operator im Fokus.)

Auswahl der Taste

Welche Taste soll ich denn kaufen? Man muss zuerst entscheiden, ob man eine Doppel-Paddel (DP) oder Single-Paddel (SP) benutzen will. Die zweite Entscheidung ist an der mechanische Qualität des Paddels gebunden.

Nach der Klopftaste hatte ich immer eine Doppelpaddeltaste benutzt. In der Trainingsphase hatte ich sicherlich die Squeezetechnik angewendet, aber rückblickend musste ich feststellen, daß ich dieses Verfahren nie richtig erlernt hatte. Ich benutzte abwechselnd die rechte und linke Taste. Und wenn ich einmal doch das “C” drückte, produzierte ich Fehler, da jede Morseautomatik anders eingestellt ist.

Moderne Transceiver haben einen elektronischen CW-Generator eingebaut, der sich beliebig konfigurieren lässt. Und hier fangen die Schwierigkeiten an. Früher gab es stundenlange Diskussionen über Jambic A und B und worauf man achten sollte. Bei jedem Transceiverwechsel funktionierten die Finger nicht so wie es das Gerät gerne gehabt hätte.

Und der Geschwindigkeitsvorteil? Sicher wenn ich squeezen kann, kann ich ein paar Millisekündchen einsparen. Aber betrachten wir es mal mathematisch:

1. Es sind nur wenige Buchstaben innerhalb des Alphabets, die für die Betriebstechnik geeignet sind.
2. Das Morsealphabet ist für die englische Sprache optimiert. Buchstaben, die sehr oft vorkommen bestehen aus wenigen Zeichen.. Der Gebrauch von bestimmten Buchstaben ist also auch sprachabhängig.
3. Wir können maximal ca. 4-6 % Eingabezeit sparen.
4. Und: Es erfordert viel Zeit, um die Morse-Sprache zu lernen, uns mit der Taste vertraut zu machen und das Fingergedächtnis zu trainieren. Wir benötigen eine sehr viel längere Zeit, um die Squeezetechnik incl. der Finger zu trainieren. 

So sollte sich zumindest der Anfänger die Frage stellen, ob eine Single Levertaste nicht von Vorteil ist. Für mich war der Umstieg von zwei auf einen Hebel war kein Problem und meine Fehlerrate nahm drastisch ab, 
da ich nur die Geschwindigkeitssteuerung der CW-Automatik benutze und die Mikro-Timing Probleme sowie die Minimalunterschiede zwischen Jambic A und B verschwinden.

Die Auswahl einer neuen Taste

Die Wahl einer neuen Taste ist nicht einfach, da man meist keine Gelegenheit hat, diese über mehrere Stunden ausprobieren zu können, bevor man sich entscheidet. Tasten sind nicht billig, Bilder vermitteln das Handling nicht und Empfehlungen anderer OMs sind in hohem Grade subjektiv. 

Zentrale Mechanik

Der wichtigste Punkt einer Einhebeltaste ist die mechanischen Rückführung bzw. die Zentrierung des Hebels.  Der Hebel muss schnell und sicher in die Mittelstellung zurückgeholt werden. Dies ist eine Herausforderung, die von einigen Herstellern durch die Übernahme des Zweihebelsystems gelöst wurde. Am sichersten erscheint ein zentrales, ausreichend starkes integriertes Federsystem. Magnete sind für viele Anwendungen interessant, aber die Zugkraft ändert sich mit dem Abstand der Entfernung. Hier sind Einstellungen sehr schwer.

Lagerung

Bei der Lagerung der Hebel können Kugellager eingesetzt werden. Da aber die Bewegung sehr gering ist, wird mit Erfolg ein Spitzenlager eingesetzt, dass bei richtiger Materialauswahl und Fettung dauerhaften Betrieb garantiert.

Kontakte

Die Kontakte müssen aus sehr hartem Material bestehen, dass elektrischen Kontakt auf Dauer garantiert. Die hier verwendeten Materialien sind bei hochwertigen Tasten aus Silber, Hartsilber oder Gold. Die Kontaktform sollte nicht eben sein, da "Kontaktschwierigkeit" vorprogrammiert sind. So ist eine konvexe Form zu bevorzugen.

Feder/Magnet

Der Tastendruck sollte für jede Seite getrennt einstellbar sein, da der Daumen und der Zeigefinger unterschiedlich “stark” sind. Eine Feder baut einen mehr oder minder linearen Druck auf. Hier ist die Einstellung z.B. über eine Rändelschraube sehr viel einfacher vorzunehmen. Den Tastendruck kann man mit einer mit einer Briefwaage kontrollieren.

Akustik

Das akustische Feedback wird durch den Abstandes der Kontakte UND den Materialien, die aufeinander treffen, bestimmt. Wenn Alutopf auf Alulöffel trifft, klingt dies nicht besonders nicht besonders. 

Taktil

Auch das taktile Feedback ist für die Finger ein wichtiger Erkennungsfaktor, ob der Kontakt ausgelöst wurde. Dafür ist es notwendig, dass der Hebelarm hart ist und einen definierten Anschlag ohne Bouncing hat.

Material

Die meisten Hersteller verwenden für den mechanischen Aufbau einer Taste Stahl, Messing oder andere harte Werkstoffe. Es sollte wie bei mechanischen Uhren nur ein Material verwendet werden, um so z. B. den durch verschiedene Ausdehnungskoeffizienten und den damit vorprogrammierten Reibungsschwierigkeiten vorzubeugen. 

Hebelmaterial

Die Hebel sind die einzigen Punkte mit dem wir kommunizieren. Auch hier ist eine harte Oberfläche von Vorteil. Da auch Finger schwitzen darf die Fläche aber nicht glatt sein, sondern sollte der Fingerfläche Halt bieten, also leicht rauh sein.

Hebelform

Die Länge und die Lagerung der Fingerhebel entscheidet auch über die Einstellbarkeit der Kontakte und des Druckes. Wenn die Hebel länger sind, ist es z.B. leichter die sehr geringen Kontaktabstaende von z.T. nur Bruchteilen von Millimetern zu justieren.

Gehäuse

Wer lebt schon in einem Vakuum? Ich nicht, also staubt es und ich habe mit der Taste eine zwar stabile, aber doch empfindliche Mechanik. Ein Staubschutz ist eigentlich selbstverständlich. Staub, Feuchtigkeit, …. Tun ihr Werk und machen es notwendig, eine Taste neu zu justieren. Clevere Hersteller haben auch Metall mit einer weiteren Schutzschicht versehen.

Gewicht

Auch wenn ich die Taste nur streichele, ist Gewicht von Vorteil. Und wenn dann noch rutschfeste Füße angebracht sind, läuft die Taste auf einem glatten Stationstisch nicht mehr weg und ich brauche die zweite Hand nicht zum fest halten.

Funktionalität

Einstellungen an der Taste sind nicht zu vermeiden, sollten aber erst nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung vorgenommen werden. So sollten die Räder, Rändelschrauben sich nicht selbst verstellen und beim Verstellen leichtgängig sein.


Palm Single


Die Entwicklungswerkstatt Palm Radio ist vielen OMs der Begriff für kleine Tasten. Über viele Jahre haben sie das Mini Paddle entwickelt und sind zum Standard für kleine präzise Tasten geworden, die nicht nur im Portabelbetrieb eingesetzt werden. Im Laufe der Jahre haben sie eine komplette Umgebung für Ihre Tasten entwickelt, die an Wertigkeit und Zuverlässigkeit keinen Vergleich mit den großen Brüdern scheuen müssen.

Vor fast einem Jahr ha[/size]n die Entwickler von Palm Radio mich aber kräftig ins Schleudern gebracht, als er mir seine neueste Entwicklung, die Palm Single vorstellte.Ich kannte nur die schweren Tasten für den heimatlichen Shack und hatte im Portabeleinsatz die Mini Paddle. Da ich gerade beim Umstieg von Zwei- auf Einpaddletasten war, nahm ich gerne dieses Experiment in Angriff.

Nach anfänglichen Problemen meiner festgefahrenen Finger mit dem gewohnten Abstand der beiden Paddle gewöhnte ich mich aber schnell an die nur 8 cm große Taste.

Hebel

Die Palm Single hat ein anderes Funktionsprinzip. Sie hat eine Endaufhängung. Ich finde es Klasse, wenn Leute versuchen mit unkonventionellen Ideen alte Probleme anzugehen und dabei auf Lösungen stoßen, die neue Wege zeigen und sogar Verbesserungen produzieren.

Der Tasthebel sollten nicht weich oder biegbar sein, sondern so steif wie möglich, damit der Kontakt des Fingers sofort eine Wirkung zeigt. Und hier glänzt die Palm Single. Der aus ABS hergestellte Hebel (wie auch das gesamte Gehäuse) ist steif, steifer geht es nicht und besser als die Mini Paddle. Die Aufhängung erlaubt keinerlei vertikales Spiel und das horizontale Spiel ist je nach Einstellung präzise.

Oberfläche

Die Oberfläche des Tasthebels der schnellen roten Palm Single hat eine gewisse angenehme "Griffigkeit". Sie ist etwas rauer ist, gibt den Fingern einen guten Halt, ist aber immer noch so wohlgefällig, dass sie nicht mit Schmirgelpapier verwechselt werden kann.

Feedback

Der CWist berührt die Taste und muss einen definierten Druck ausüben, damit der Kontakt geschlossen werden kann. Er hat also ein zweifaches Feedback und der Finger kann sich sicher sein, dass der Kontakt geschlossen ist. 
Er hat den harten Anschlag am Kontakt (taktil) und erstaunlich auch noch ein akustisches Klopfen, dass zumindest für mich wichtig ist.

Einstellungen

Die Einstellmöglichkeiten, also die Anpassung an die persönliche Handschrift des CWisten, ist professionell gelöst. 

Wie immer kann der Abstand der Kontakte für DIT und DAH getrennt eingestellt werden. Die Taste ermöglicht einen noch kürzeren Abstand zu den Kontakten als z.B. die Mini Palm da das gesamt System steifer/präziser konstruiert ist. Die Werkseinstellung, die man am Anfang beibehalten sollte, erwies sich für mich als zu groß. Ich habe sie jetzt so eingestellt, dass sich der Hebel fast nicht mehr bewegt. Trotzdem habe ich noch meinen definierten Druckpunkt.

Selbstverständlich kann auch jeweils der Druck für jeden Finger getrennt eingestellt werden. (Auch hier die Warnung: Lasst am Anfang die Grundeinstellung stehen!) Ich muss zugeben, dass mich die richtige Druckeinstellung viel Zeit gekostet hat. Am Anfang hatte ich die Einstellung meiner großen Taste übernommen. Aber durch den Konstruktionsunterschied wurde die Palm viel zu weich. Dann stellte ich fest, dass ich steigender Gebegeschwindigkeit meine Finger härter zuschlugen. Nachdem ich den Anpressdruck für beide Finger erhöht hatte (der Daumen wollte mehr) lief die Taste. Nochmals leicht den Kontaktabstand erhöht und ich bin bei meiner Grenze von ca. 35 Wpm angekommen. Kein Hängenbleiben, Wackeln, fehlende Striche … sie läuft perfekt und streitet sich mit der Scheunemann welche besser ist.

Überzug
Das hat man davon

Wenn man sich mit Entwicklern herumschlägt. Ich hatte bei den Umstellungsschwierigkeiten von der Doppel auf die Single Taste immer leise über den Tasthebel geschimpft.
Nun hat Hannes die vordere Form des Hebels geändert. Ich bekomme fast von der gesamten Fingerspitze Rückmeldung, dass der Finger richtig aufliegt. Es wurde als Überzug jeweils eine Schräge am Hebel konstruiert. So wird der Finger an den richtigen Punkt des Hebels gebracht. Ich muss mich nicht mehr darum kümmern, ob mein Finger am Ende (weniger Kraft) oder am Anfang (mehr Kraft) aufliegt. Der Finger wird in die richtige Position geschoben und ich kann mit der einmal erlernten Kraft den Kontakt auslösen.

Selbstverständliches

Über die anderen Selbstverständlichkeiten wie Staub- und Transportschutz, stabile Befestigungsmöglichkeiten durch einen Einbaurahmen zum Schrauben oder mit Magnethalterung (Quickmount), solide Kabelbefestigung … will ich nicht mehr berichten. Sie sind bei Palm Radio Standard. 

Palm Piko Single


Und nun … ein kleines Weltwunder

Wenn nichts mehr möglich erscheint, kommt Hannes und setzt noch einen drauf: Ein Riesenumschlag, ein gewohnt großer Travelcase und irgendwo verliert sich in der BOX die Palm Pico Single. Kleiner geht es nicht mehr: 15 x 15 x 50 mm (BxHxT) die kleinste Singlepaddle der Welt. Und alles ist dran und sie funktioniert wie die große Palm Single Paddle.

Beschreibung

Die Konstruktion folgt der großen Schwester. Aufhängung, Material, Einstellmöglichkeiten … Nichts hat sich geändert … außer der Größe. Auch der beigelegte Inbusschlüssel ist kleiner geworden.

Da ich mich nicht an meine eigenen Ratschläge halte habe ich zuerst die Kontaktabstaende geändert und sie ähnlich der PS eingestellt. Aber Physik lässt sich nicht überlisten. Da die Hebel kürzer sind, musste  ich die Abstände später wieder vergrößern.

Auch bei der Druckeinstellung folgte ich der PS. Aber s.o. musste ich dies nach einer halben Stunde korrigieren und den Druck verringern. Nun waren bei der Bedingung - fliegender Wechsel - die PPS und PS gleichwertig. Ich habe die PPS etwas leichter eingestellt. Dies wird aber über die größere Tastenoberfläche der PS kompensiert.

Daß die taktile und akustische Rückmeldung aus mechanischen Gründen unterscheiden ist naturgegeben. Aber beide “Feedbacks” des harten Anschlags sind vorhanden. Der Hebel ist starr und wackelt weder in der vertikalen noch in der horizontalen Ebene.

Probleme hatte ich bei dem Fingerauflagepunkt auf dem Tasthebel. Hier gab es am Anfang Fehleingaben, da ich die Finger an der Spitze bis zur Mitte des Tasthebels aufsetzte. Aber dies zählt zur notwendigen Trainingsphase. Ich beruehre nur noch das erste Drittel des Tasthebels.

Auch bei der Positionierung der Taste musste ich dazulernen. Als Lehrling musste ich die Taste am Anfang  sehr genau zwischen meinen Fingern in Ausrichtung ausrichten, um die beiden Tastenhebelenden mit demselben Abstand und Winkel zu treffen.

Aber auch hier habe ich dazu gelernt und meine alte Geschwindikeit von 35 WPM wieder ohne Probleme erreicht.

Einsatz

Da ich noch keinen passenden Ständer für die Pico gefunden habe und sie auf dem altenStahlblock der PS thront, spiele ich viel mit ihr, aber ich freue mich auf den Einsatz im Portabelbetrieb. Sie wird meine Taste für den MTR.

Jetzt brauche ich noch weniger Platz auf meinem Portabelbrett. Vorher benötigte ich ca. 25 cm stabile Fläche. Jetzt kommt die PPS und ich habe eine früher nur als Spaß genommene Handhaltung erprobt: Die Taste verkehrt herum benutzt. (siehe Bild) 

Zusammenfassung

Die Pico für die Station, da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber Portabel: Ich habe die Halterung schon umgeplant MTR und Pico in Reverse Haltung. Der Hammer.


PS: Ich habe Palm Radio verboten, die Palm Pico Single weiter zu verkleinern.

http://www.cwops.org/pdf/iambicmyth.pdf
http://www.palm-radio.de/deutsch/deutsch.html
http://www.palm-radio.de/deutsch/dspaddle.html

Tastenüberblick

Tastenüberblick
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Palm Single http://www.palm-radio.de/deutsch/dspaddle.html
Scheunemann Einhebel 3 scheunemann-morsetasten.de
K8RA P-6 Single Lever http://www.k8ra.com/product-p/p-6.htm
Begali Sculpture Mono http://www.i2rtf.com/html/sculpture_mono.html
Begali Simplex Mono http://www.i2rtf.com/html/simplex_mono.html
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Begali Adventure Mono http://www.i2rtf.com/html/adventure_mono.html
Begali HST Single Leverhttp://www.i2rtf.com/html/hst.html
Kent Single Levver paddle http://kent-engineers.com/SINGLEpaddleINFO.htm
N3ZN ZN-SL Single-Leverhttp://n3znkeys.com/p/13/zn-sl
GF501A "Speed Key" http://www.mtechnologies.com/ghd/gf501a.jpg
CT 755 B Single Magnet Tension Brass Lever Paddlehttp://www.ur5cdx.com/product_info.php?p…f54913c3459546a
9A5N Solid State CW Paddle http://web.hamradio.hr/9a5n/index.php/solid-state-cw-paddle
Bencher ST-1 Single Lever Paddle http://www.morsex.com/bencher/
Bushwhacker Sideswiper/Single lever Paddle http://americanmorse.com/bushwhacker.htm
Hi-Mound MK-704 Single Paddle http://www.mtechnologies.com/himound/index.htm#mk704
Bergsiek Profi M als Einhebel-Wabbler http://www.bergsiek-morsetasten.de/


(Der Artikel erschien in der Clubzeitschrift der CQ-DL 4/2016)